Erfolgreiche Beispiele für alternative Nahverkehrkonzeptionen

In einigen Städten gab, beziehungsweise gibt es einen entgeltfreien beziehungsweise entgeltreduzierten Nahverkehr. Hier einige Beispiele:

Beispiel 1 – Templin: kostenloser Nahverkehr von 1998 bis 2002

In der 16.000-Einwohner-Stadt Templin in Brandenburg wurde bereits von 1998 bis 2002 ein kostenloser Nahverkehr getestet. Grund hierfür war die starke Zunahme des Autoverkehrs in dem Luftkurort. Kurz darauf nahmen innerhalb eines Jahres die Fahrgastzahlen rasch zu (von 41.000 auf 350.000 Fahrgäste). Im Jahr 2001 waren es schließlich eine halbe Million Fahrgäste.

Mit dieser extrem Zunahme stiegen jedoch auch die Betriebskosten, sodass Templin das Projekt 2003 wiedereinstellte. Jedoch blieben auch danach die Fahrkosten extrem günstig. Eine Jahresfahrkarte kostet 44 Euro. Noch 2015 war die Zahl der Fahrgäste fünfmal so hoch wie vor dem Experiment.

Informationen:

https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/nahverkehr-busfahren-umsonst-das-experiment-von-templin-a-1193404.html

Beispiel 2: Estland – Schwerins Partnerstadt Tallinn

Estland wurde nicht zuletzt 2018 ein Vorreiter für den öffentlichen Nahverkehr, indem es als erstes Land in Europa einen fast flächendeckenden kostenfreien Nahverkehr einführte. Seitdem ist elf von 15 Regionen des Landes das Busfahren gratis.

Auschlaggebend hierfür war ein Entschluss des estnischen Parlamentes im Jahr 2017, nach dem der Verbrauch fossiler Kraftstoffe bis 2030 auf dem Niveau von 2012 gehalten werden soll. Der Versuch „die Leute zu ermuntern, sich umweltfreundlicher fortzubewegen“ konnte bereits seit 2013 in Tallinn erfolgreich umgesetzt werden. Hier nutzen ungefähr die Hälte der Bürger den kostenlosen Nahverkehr kontinuierlich.

Weitere Informationen:

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1095503.oeffentlicher-personen-nahverkehr-estland-fuehrt-kostenfreien-nahverkehr-ein.html

Beispiel 3 – Testphase in Tübingen

Ticketfreier Samstag in Tübinger Nahverkehr

Bereits seit 2018 wird in Tübingen samstags die kostenfreie Nutzung des Busverkehrs von der Stadt finanziert. Ausschlaggebend hierfür war die zwanzig-monatige Sanierung eines stark genutzten Parkhauses in der Innenstadt.

Seitdem setzt sich jedoch Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) stark dafür ein einen kostenlosen ÖPNV als Modellprojekt in Tübingen einzurichten. Geschehen soll dies im Rahmen eines Förderprogramm für „Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV “ vom Bundesverkehrsministerium, für das sich Tübingen beim Bund beworben hat. Der Gemeinderat unterstützt dieses Vorhaben und hat sich ebenfalls bereiterklärt einen Teil der Kosten zu übernehmen. Sechs Millionen kämen dann vom Bund, drei Millionen vom Land und sechs Millionen von der Stadt.

Weitere Informationen:

https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Neue-Hoffnung-auf-kostenlosen-OePNV-448195.html

https://www.tuebingen.de/Dateien/kostenfreier_nahverkehr.pdf

Ticketfreier Samstag im TüBus | Stadtwerke Tübingen (swtue.de)https://www.swtue.de/oepnv/fahrgastinformationen/ticketfreier-samstag-im-tuebus.html

Beispiel 4 – Testphase in Bad Doberan

Seit August 2020 kann in Bad Doberan der Citybus-Linie 124 tagsüber kostenlos genutzt werden. Das Projekt ist auf ein halbes Jahr hin angelegt und wird von der Stadt finanziert.

Mehr dazu erfahrt ihr hier.

Informationen:

Bad Doberan: Citybus bleibt kostenlos (ostsee-zeitung.de) https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Bad-Doberan/Bad-Doberan-Citybus-bleibt-kostenlos

Beispiel 5: Singapur

In Singapur, eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt, ist der PKW Verkehr eines der größten Probleme der Stadt.

Durch Lizenzen und Abgaben, die PKW Fahrer seit 2018 entrichten müssen, wurde ein kostengünstiger und somit umlagenfinanzierter Nahverkehr finanziert.

Informationen:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/ende-des-wachstums-in-singapur-auto-obergrenze-erreicht.979.de.html?dram:article_id=434993

Beispiel 6: Luxemburg

Beispiel 7: Augsburg – Entgeltfreier Nahverkehr in der City-Zone

Augsburg startete mit Jahresbeginn 2020 ein sehr interessantes Projekt, das zeigt, wenn der Wille existiert und etwas „um die Ecke“ gedacht wird, wie ein schrittweiser Umstieg auf einen entgeltfreien Nahverkehr aussehen könnte.

Um die Bewohner zu motivieren, nicht mehr mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren und somit den CO2-Ausstoß in der Innenstadt verringern, entschied sich die Stadt dafür, rund um den Königsplatz, der sogenannten City-Zone, keine Fahrgebühren mehr zu erheben.

Ein zusätzliches 79€-Monatsticket bietet den Stadtbewohnern eine weitere abwechslungsreiche Rundum-Flatrate. Statt des Autos können für diesen Betrag der Nahverkehr, Carsharing und Leihräder genutzt werden.

Ticketinhaber könenn zwischen zwei Angeboten wählen: Für 79 Euro pro Monat kann man entweder bis zu 15 Stunden oder für bis zu 150 Kilometer ein Auto leihen. 200 Pkw sind dafür an 70 Standorten ausleihbar. Wer dagegen das Carsharing bis zu 30 Stunden und ohne Kilometerbeschränkung nutzen will, muss 109 Euro zahlen. Aber auch Nicht-PKW-Nutzer profitieren von diesem Angebot. In beiden Paketen sind bis zu 30 Minuten Leihradnutzung am Stück inklusive, auch mehrmals am Tag, sowie die kostenfreie Nutzung des Nahverkehrs in der City-Zone. Eine klassische Monatskarte für den Innenraum in Augsburg kostet im Vergleich dazu 52,50 Euro.

Informationen:

Gratis durch die City-Zone | swa (sw-augsburg.de)https://www.sw-augsburg.de/magazin/detail/gratis-durch-die-city-zone/

Erste größere Stadt: Augsburg führt kostenlosen Nahverkehr ein – Utopia.dehttps://utopia.de/erste-groessere-stadt-augsburg-fuehrt-kostenlosen-nahverkehr-ein-91153/

Weiter Beispiele – Aubagne (Frankreich), Tórshavn (Färöer)

Ebenfalls entgeltfrei oder entgeltreduziert:

  • Hasselt, Belgien, 70.000 Einwohner, seit 1997. Die Entgeltfreiheit wurde nach 17 Jahren auf Kinder und Senioren eingegrenzt. Erwachsene zahlen ein geringes Entgelt (50 Cent). Als Grund der Modifikation werden eine Vervielfachung der Fahrgastzahlen, bzw. ein Regierungswechsel genannt.
  • Vitré, Frankreich, 17.500 Einwohner. Seit der Errichtung im Jahre 2001 haben sich die Passagierzahlen bis 2010 versiebenfacht.
  • Tscherjomuschki, Russland, 8300 Einwohner, vermutlich seit Eröffnung 1991: eine einzelne Linie, die die Ortschaft mit dem Kraftwerk am Sajano-Schuschensker Stausee verbindet.
  • Standseilbahn Pau, seit 1978 kostenlos
  • Melbourne: City Circle tram

Es gibt noch weitere Beispiele von alternativen ÖPNV Finanzierungsmodellen. Die Liste wird kontinuierlich ergänzt.

Quelle: Tarifsystem (Öffentlicher Personenverkehr) – Wikipedia

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